Verfasser: 0xjs
Kamino Finance und Jupiter (insbesondere das neu eingeführte Produkt Jupiter Lend) sind zwei führende DeFi-Protokolle im Solana-Ökosystem, die sich jeweils auf Lending bzw. Aggregation/Liquiditätsmanagement konzentrieren.
Anfang Dezember 2025 entbrannte zwischen ihnen eine öffentliche Debatte, die sich vor allem um Risikodisclosure, Produktisolation und Wettbewerbsverhalten drehte. Dieser „Bürgerkrieg“ hat große Aufmerksamkeit in der Solana-Community erregt und zwang sogar Lily Liu, die Präsidentin der Solana Foundation, öffentlich einzugreifen und beide Seiten zur Deeskalation und zum Fokus auf das Ökosystemwachstum aufzurufen.
Obwohl die Auseinandersetzung heftig ist, hat sie bisher nicht zu größeren finanziellen Verlusten geführt (Jupiter Lend TVL liegt weiterhin über 1 Milliarde US-Dollar). Vielmehr ist sie ein Test für Vertrauen und Transparenz in der Community.
1. Streitpunkte: Worum geht es konkret?
1. Kontroverse um das „Null-Risiko“-Marketing von Jupiter Lend:
- Jupiter Lend wurde im August 2025 eingeführt und wuchs schnell auf 1 Milliarde US-Dollar TVL. Das Produkt wirbt damit, dass seine „Vaults“ „isoliertes Risiko“ („isolated risk“) und „kein Ansteckungsrisiko“ („zero contagion risk“) böten und behauptet, es gebe „keine Kreuzkontamination“ („no cross-contamination“) zwischen den Paaren, um Einlagen anzuziehen.
- Konkurrenten wie Kamino werfen Jupiter irreführende Werbung vor. Tatsächlich wird die rehypothecation (Wiederverwendung von Sicherheiten) genutzt: Nutzer-Kollaterale (wie SOL) werden mehrfach über verschiedene Vaults hinweg genutzt, was bedeutet, dass Verluste in einem Vault indirekt andere beeinflussen und so ein potenzielles Ansteckungsrisiko entsteht. Kamino-Gründer Marius Ciubotariu erklärte öffentlich, dies „untergrabe das Vertrauen in Solana DeFi“ und belegte mit Grafiken die „vollständige Cross-Asset-Exponierung“.
- Jupiter-COO Kash Dhanda räumte ein, dass frühere Aussagen „nicht ganz akkurat“ waren, löschte entsprechende Tweets und versprach eine Aktualisierung der Dokumentation nach der Breakpoint-Konferenz. Gleichzeitig verteidigte er, die Isolation beziehe sich nur auf die Konfigurationsebene; das Protokoll habe sich beim Markteinbruch im Oktober bewährt.
2. Kamino und das „Blacklist“-Verhalten:
- Kamino änderte stillschweigend den Smart Contract, um zu verhindern, dass Nutzer, die bei Kamino geliehen haben, direkt zu Jupiter Lend migrieren/refinanzieren können (über das Jupiter Refinance Tool). Kamino begründet dies mit dem Schutz der Nutzer, um zu verhindern, dass Gelder „nicht ausreichend offengelegten Risiken“ ausgesetzt werden.
- Jupiter-Gründer Luca Netz kritisierte dies als „nutzerfeindliches Verhalten“, das den Open-Source-Prinzipien von DeFi widerspreche und Nutzer potenziell zu negativen APYs (Jahresrenditen) zwinge. Auch die Community warf Kamino „antikompetitives“ Verhalten vor, ähnlich den Barrieren traditioneller Banken.
3. Größerer Kontext: Markt, Wettbewerb und Druck im Ökosystem:
- Der TVL des Solana-Lending-Markts liegt bei rund 5 Milliarden US-Dollar (deutlich weniger als Ethereums 50 Milliarden), mit Liquiditätsengpässen (TVL-Rückgang nach dem Crash im Oktober) und erhöhter Sensibilität der Nutzer nach diversen Rug Pulls.
- Kamino dominiert schon lange (TVL über 2,3 Milliarden US-Dollar), Jupiter Lend schnappt als Newcomer schnell Anteile weg (von 0 auf 1 Milliarde), was „Vampirangst“ (vampire attack) schürt.
- Weitere Eskalation: Tushar Jain, Partner bei Multicoin Capital (Kamino-Investor), nannte Jupiter „inkompetent oder böswillig“ – das heizte die Debatte weiter an; auch Fluid (Backend-Provider von Jupiter Lend) mischte sich verteidigend ein.
2. Zeitstrahl

3. Auswirkungen und Ausblick
- Für Nutzer: Kurzfristige Unannehmlichkeiten (z.B. Migrationshürden), aber ein Weckruf für DYOR (Do Your Own Research). Es wird geraten, Liquidität zu diversifizieren und nicht alles in ein Protokoll zu stecken.
- Für das Ökosystem: Zeigt die „Wachstumsschmerzen“ von Solana DeFi – schnelle Innovation, aber Governance basiert auf sozialem Vertrauen. Die Foundation will dies nutzen, um klarere Risikostandards zu etablieren und Marktanteile von Ethereum/TradFi zu gewinnen.
- Wer „gewinnt“? Momentan Patt: Kamino stärkt sein „Sicherheits“-Image (KMNO +2,5%), Jupiter kontert mit Wachstum und Produktinnovationen (z.B. hoher APY, JUP +5%). Langfristig könnte das zu besseren Protokollen führen, aber anhaltender Streit könnte institutionelle Gelder abschrecken.
Dieser Konflikt ist ein Abbild von Solanas „hohem Wachstum bei geringer Reife“: Der Wettbewerb ist hart, aber mehr Zusammenarbeit ist notwendig.
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