OpenAI erklärt, dass ChatGPT nur in der kostenlosen Version und bei Go Werbung anzeigt, wobei Modell und Antworten nicht beeinflusst werden. Dabei gilt das Prinzip von Nichtüberwachung, Nichteingreifen und Nutzerkontrolle, um Vertrauen zu wahren und einen kostenlosen, hochvolumigen Service aufrechtzuerhalten.
In der neuesten Folge des „OpenAI Podcast“ erklärt Asad Awan, Leiter Werbung und Geschäftsoperationen bei OpenAI, erstmals, warum Werbung in ChatGPT eingeführt wird, in welcher Form sie erscheint, welche Nutzer sie sehen und wie OpenAI mit klaren Prinzipien und Mechanismen die Grundsätze „Nichtüberwachung, Nichteingreifen, Vertrauen bewahren“ durchsetzt, um bekannte Datenschutz- und Vertrauensskandale zu vermeiden.
Awan sagt, dass Werbung in ChatGPT ausschließlich bei kostenlosen Nutzern und bei Go angezeigt wird. Plus, Pro und Enterprise-Versionen werden nicht mit Werbung versehen.
Das Unternehmen betreibt gleichzeitig drei Produktlinien: Firmenkunden, Abonnement-basierte Angebote und Massenkonsumprodukte, wobei die Geschäftsmodelle für Firmen und zahlende Nutzer jeweils eigenständig sind. Für die meisten Nutzer wird die Einführung von Werbung als eine praktikable Lösung gesehen, um „hohe Nutzung, kostenlose Nutzung“ zu ermöglichen, anstatt die Nutzung schnell einzuschränken.
Awan erklärt, dass die Mission von OpenAI darin besteht, „die beste KI“ für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Ohne Werbung müssten die kostenlosen Angebote entweder in ihrer Nutzung eingeschränkt oder nur mit schwächeren Modellen angeboten werden. Durch Werbung könne man auch kostenlosen Nutzern Zugang zu umfassenderen und leistungsfähigeren Diensten bieten.
Zur Frage, ob personalisierte Werbung Nutzer überwachen lässt, sagt Awan klar: Selbst bei hoher Effektivität würde das Unbehagen, „abgehört oder überwacht“ zu werden, die Akzeptanz verhindern.
Daher setzt OpenAI intern klare Prioritäten:
„Nutzervertrauen hat Vorrang vor Nutzerwert, Nutzerwert vor Werbekundenwert, und erst zuletzt kommt der Umsatz.“
Awan betont, dass selbst kurzfristig höhere Umsätze nicht wichtiger seien als das Vertrauen der Nutzer. Wenn eine Designentscheidung dieses Vertrauen gefährde, werde sie nicht umgesetzt.
Awan hebt hervor, dass das Training und die Antworten des Modells durch Werbung nicht beeinflusst werden. Das Modell weiß nicht, ob auf dem Bildschirm Werbung angezeigt wird. Visuell sind Antwort- und Werbebereich klar getrennt. Wenn Nutzer Werbung direkt anfragen, müssten sie die Werbeinhalte selbst bereitstellen, da das Modell sonst nichts über die Werbung weiß.
Gespräche zu sensiblen Themen wie Gesundheit, Politik oder Gewalt werden keine Werbung enthalten und nicht für Werbezwecke genutzt. Die Definition und Bewertung erfolgen durch interne Richtlinien und hochstandardisierte Klassifizierungsmechanismen, die kontinuierlich angepasst und überprüft werden.
Awan erklärt, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Nutzer-Dialoge haben. Die Zuordnung von Werbung erfolgt durch das interne System von OpenAI, mit dem Ziel, für Nutzer relevante Werbung anzuzeigen, nicht auf möglichst große Reichweite. Falls keine passende Werbung gefunden wird, wird keine angezeigt.
Nutzer können kontrollieren, welche Daten für personalisierte Werbung genutzt werden, ob sie vergangene Gespräche verwenden möchten, den Verlauf löschen oder die Personalisierung ausschalten. Wer keine Werbung sehen möchte, kann auf Plus oder Pro upgraden. Awan gibt offen zu, dass diese hochkontrollierbaren und löschbaren Einstellungen in der aktuellen Werbeindustrie eher selten sind, aber als notwendige Voraussetzung für Vertrauen gelten.
In Bezug auf die langfristige Vision beschreibt Awan, dass Werbung künftig eher im „Proxy“-Modell erfolgen könnte, bei dem Nutzer beim Vergleichen, Finden von Angeboten und passenden Produkten unterstützt werden. Für kleine und mittlere Unternehmen könnte die Werbung direkt über Gespräche gesteuert werden, was den Aufwand reduziert und keine komplexen Werbekampagnen erfordert.
Angesichts der Kritik an „keine Werbung“ sieht OpenAI die Misstrauen gegenüber Online-Werbung historisch bedingt. Das Unternehmen will mit klaren Prinzipien, transparenter Mechanik und Nutzerkontrolle darauf reagieren und gleichzeitig die Option „Bezahlen, um keine Werbung zu haben“ offenhalten, damit Nutzer mit unterschiedlichen Werten das passende Nutzungsmodell wählen können.