Die Financial Supervisory Service (금감원) Koreas, die Zollbehörde (관세청) und die neun größten Kreditkartenunternehmen sowie die Kreditfinanzierungsvereinigung haben offiziell eine Absichtserklärung (MOU) zur gemeinsamen Bekämpfung grenzüberschreitender Finanzkriminalität unterzeichnet. Ziel ist es, illegale Devisenwechsel und Geldtransfers durch Kryptowährungen von der Quelle aus zu unterbinden.
Laut MBC-Berichten umfasst die Unterzeichnung fast alle bedeutenden Kreditkartenaussteller in Südkorea, darunter Shinhan Card, KB Kookmin Card, Woori Card, Lotte Card, Hana Card, Samsung Card, Hyundai Card, BC Card und Nonghyup Card.
Die Kreditfinanzierungsvereinigung wird als zentrale Koordinationsstelle für den Informationsaustausch fungieren und regelmäßig operative Vereinbarungen treffen.
Der entscheidende Durchbruch des MOU liegt in der Datenintegration. Laut Vereinbarung werden die Nutzung von ausländischen Kreditkarten und Debitkarten sowie Ein- und Ausreisedaten verknüpft und analysiert, um ungewöhnliche Transaktionen im Zusammenhang mit Voice Phishing (Vishing) und Kryptowährungsdelikten zu erkennen und zu blockieren.
Zuvor hielten Zollbehörde und Kreditkartenunternehmen eigenständig Informationen, was die Erkennung abnormaler Transaktionen einschränkte. Ein Täter konnte bei mehreren Banken gleichzeitig Karten verwenden, um die Risikoüberwachung zu umgehen, was eine Schwachstelle im System darstellte. Nach Unterzeichnung des MOU wird dieses Informationssilo-Problem beseitigt, und die Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Institutionen deutlich verbessert.
Der unmittelbare Anlass für die Zusammenarbeit war die kürzliche Aufklärung eines großen Falls, bei dem Kryptowährungen illegal im Wert von über 1.489 Milliarden Won gewechselt wurden. Die Täter empfingen zunächst Zahlungen über WeChat Pay oder AliPay im Ausland, kauften damit Kryptowährungen im Ausland, transferierten die Gelder auf koreanische Wallets und tauschten sie in Won um – der gesamte Geldkreislauf wurde so um die offiziellen Devisenkontrollen herumgeführt.
Besonders im Fokus der südkoreanischen Krypto-Nutzer steht die potenzielle Auswirkung auf sogenannte „U Cards“.
Eine U Card ist eine Kryptowährungs-Zahlungskarte, bei der Nutzer USDT oder andere Stablecoins auf die Karte laden und diese dann über Visa oder Mastercard im Internet direkt zum Bezahlen verwenden. Dabei werden die Stablecoins zum Zeitpunkt des Kaufs zum aktuellen Marktpreis in Fiat-Währung umgetauscht, um grenzüberschreitende Zahlungen zu ermöglichen – ohne den traditionellen Devisenregeln der Banken zu unterliegen.
Aktuelle bekannte Anbieter sind Ether.Fi, Bybit Card und Bitget Card, die alle reguliert ausgegeben werden.
Da U Cards das traditionelle Bankensystem umgehen, stellen sie im Wesentlichen eine „graue“ Abkürzung für grenzüberschreitende Zahlungen dar. Das MOU legt den Fokus auf die Integration der Nutzung von ausländischen Kredit- und Debitkarten. Da U Cards im Visa/Mastercard-Netzwerk laufen, fallen ihre Transaktionsdaten grundsätzlich unter die Kategorie „Ausländische Debitkarten-Nutzung“ und werden somit in die verknüpfte Analyse einbezogen.
Konkret bedeutet dies: Wenn ein Koreaner im Ausland mit einer U Card Ausgaben tätigt, die deutlich von seinem deklarieren Einkommen abweichen, oder wenn die Transaktionsmuster häufig mit Kryptowährungsbörsen in Verbindung stehen, könnte das System diese als verdächtig markieren und eine Untersuchung auslösen.
U Cards sind an sich legal. Das Problem liegt darin, ob sie genutzt werden, um die koreanischen Devisenbestimmungen zu umgehen. Nutzer, die legal und regulär mit U Cards konsumieren, sind grundsätzlich nicht betroffen. Doch bei großen Auslandszahlungen könnten künftig Kontrollen durch die Behörden erfolgen.